Im Jahre 1906 sah Pfarrer Eul es als eine seiner Hauptaufgaben an, für die Betreuung der Kranken und Kinder unseres Ortes zu sorgen. Er beantragte eine Niederlassung von kath. Schwestern. Am 17. November 1909 trafen daraufhin 5 Schwestern (eine Oberin, zwei Krankenschwestern, eine Kindergartenschwester und eine Nähschulschwester) des Ordens vom hl. Geist in Merchweiler ein. Sie fanden zunächst eine Unterkunft im Hause des Küsters Eckstein (heute Haus Kinzer, Nr. 15) in der Kirchenstraße.

Die damals so genannte "Kinderbewahranstalt" und "Nähschule" wurde zuerst im Hause des ehemaligen Uhrmachers Gerber (heute Haus Spaniol, Nr. 18) errichtet. Es wurden dort ca. 60 bis 70 Kinder betreut. Eine Hauptbeschäftigung der Kinder, neben Singen und Beten, bestand darin, aus Stoffresten Fäden zu zupfen, aus denen die Schwestern Kissen füllten. Träger der Einrichtung war zu dieser Zeit die Genossenschaft der Schwestern des hl. Geistes. Wegen der räumlichen Trennung von Kinderbewahranstalt und Unterkunft der Schwestern und durch unzulängliche Wohnverhältnisse, siedelten die Schwestern 1919 in das Haus Mailänder (heute Haus Sturm, Nr. 9) um.

1931, nach Erbauung eines Schwesternhauses in der Poststraße, wurde dort ein Raum als "Kindergarten" eingerichtet. Er erhielt den Namen "St. Josef", als Zeichen der großen Verehrung dieses Namenspatrons, und wurde ab diesem Jahr von Schwester Wiborada geleitet. Die Einweihung fand am 12.7.1931 statt. In der Zeit zwischen 1939 und 1943 erschienen eines nachmittags Abgeordnete von Hitler, die den Kindergarten mieten und die Möbel kaufen wollten. Da Pastor Ludwig (Nachfolger von Pastor Eul) zu dieser Zeit nicht anwesend war, trafen sich der Kirchenrechner Willi Meiser und die Schwester Oberin Florida sowie Schwester Wiborada mit den Abgeordneten, die vom Bürgermeisteramt Herrn Kuhn mitgebracht hatten. Bei diesem Treffen setzte sich Schwester Wiborada für den Erhalt des Kindergartens ein, und verwies darauf, dass ohne die Anwesenheit des Pastors keine Entscheidung getroffen werden könne. Die Herren verabschiedeten sich und erschienen nie wieder. Der Kindergarten war somit gerettet!

Für die Kinder war seit Kriegsende kein Spielplatz vorhanden, da auf dem freien Platz vor dem Schwesternhaus ein Splitterschutzstollen gebaut worden war. Im Jahre 1950 arbeiteten einige Männer daran, den Kindern einen Spielplatz zu bauen. Der Stollen wurde zugeschüttet, die Erdmassen wurden gelöst, verteilt und planiert und der gesamte Platz mit einem Holzzaun versehen. Es entstand ein schöner Spielplatz mit Schaukeln, Kinderkarussell, Sandkasten, Kletterturm sowie ein Springbrunnen mit Goldfischbecken. Finanziert wurde das ganze durch ein Kindergartenfest sowie großzügige Spenden von Merchweiler und auch Saarbrücker Geschäftsleuten. In den Jahren 1950 bis 1960 wurden 150 bzw. 160 Kinder betreut.
Pfarrer Peter Diewald war ab 1954 Pastor in Merchweiler und hatte sich zum Ziel gesetzt, eine neue Kirche zu bauen, da die alte zu klein war. 1958 wurde die damalige Pfarrkirche abgerissen und eine Notkirche auf dem Platze des heutigen Kindergartens gebaut. Diese wurde bis zur Einweihung der neuen Kirche 1960 zu Gottesdiensten genutzt. Im Jahre 1961 wurde die Notkirche als Kindergarten umfunktioniert und umgebaut. Die Einweihung erfolgte am 15.11.1961. Seit diesem Tag untersteht der Kindergarten der Kath. Kirchengemeinde Merchweiler.

 Zum damaligen Zeitpunkt verfügte der Kindergarten über 4 Gruppenräume, einen Waschraum, eine Küche und ein Büro. Der Spielplatz befand sich noch immer auf dem Platz vor dem Schwesternhaus. Wegen den steigenden Kinderzahlen, mussten in den kommenden Jahren das Leiterinnenbüro und das angrenzende Gästezimmer der Schwestern zu Gruppenräumen umfunktioniert werden. Von 1971 bis 1974 wurde der Kindergarten von indischen Schwestern (Schwester Christiane und Schwester Ingrid) geleitet. Danach endete die Leitung durch Ordensschwestern und an deren Stelle traten weltliche Erzieherinnen. Frau Anne Riehm aus Göttelborn wurde Leiterin des Kindergartens und ein Jahr später übernahm Frau Elisabeth Meiser die Leitung bis 1980. 1979 wurde ein neu angelegter Spielplatz hinter dem Kindergartengebäude seiner Bestimmung übergeben.

Da das Kindergartengebäude schon ab 1973 Unzulänglichkeiten aufwies und für die 80er Jahre auch zu klein wurde, stellte die Kirchengemeinde 1980 unter der damaligen Leitung von Pfarrer Gerd Gies den Antrag auf einen Neubau, der jedoch von der Landesregierung abgelehnt wurde. Daraufhin entschloss man sich, mit eigenem Geld (durch Pfarrfeste und Sammlungen) den Bau zu renovieren und zu erweitern. 1981 entstanden ein fünfter Gruppenraum, ein Flur und ein Turnraum. Die Fenster und der Haupteingang wurden erneuert. Am 12.3.1986 - fünf Jahre später - kam der Bewilligungsbescheid für einen Neubau und der damalige Kindergarten wurde am 4. April 1986 abgerissen. Der Neubau entstand an der gleichen Stelle. In der Zeit der Bauarbeiten, waren die Kinder für zwei Jahre im Jugendheim der Pfarrei untergebracht (125 Kinder in 5 Gruppen). Am 29. Mai 1996 wurde der erste Spatenstich vorgenommen, am 1. August der Grundstein gelegt und am 10. April 1987 - genau ein Jahr später - das Richtfest gefeiert. Der Einzug in den neuen Kindergarten fand im April 1988 statt. Die Einweihung wurde am 2. Juni 1988 unter großer Beteiligung der Bevölkerung gefeiert.

 

In dieser Zeit werden 150 Kinder in 6 Gruppenräumen betreut. Pädagogische Fachkräfte fördern die Kinder in den verschiedenen Lernbereichen (z.B. Spracherziehung, Math. Früherziehung, Sach- und Umweltbegegnung, Bewegungserziehung...) ganzheitlich. Dabei wird sich an der Lebenssituation der Kinder orientiert und ihre Ideen werden verstärkt in die Planung miteinbezogen.

Die Terrassen und Balkone sowie der Vorhof mit überdachter Halle ermöglichen es, das Spielen der Kinder vom Gruppenraum ins Freie zu erweitern. Auch das Gelände hinter dem Kindergarten wurde komplett neu angelegt und mit einem großen Sandkasten, einer Wassermatschstelle und einer Rutschbahn versehen. Weiterhin stehen den Kindern große Spielwiesen mit Büschen und Hecken zur Verfügung. Die Einweihung fand am 14.6.1990 statt. Durch Beteiligung von Vätern konnte das Gelände zu einem späteren Zeitpunkt mit zwei Federwippen, einer Hangrutschbahn, sowie einer Überdachung des riesigen Sandkastens für die Kinder erweitert werden.

Im August 2002 wurde das Betreuungsangebot mit 20 zusätzlichen Ganztagsplätzen ergänzt und im Oktober 2005 konnte eine Regelgruppe zur Krippengruppe umfunktioniert werden, was die Aufnahme von 10 Kinder im Alter ab 8 Wochen ermöglicht hat. Durch diese Erweiterungen stehen den Familien nun vielfältige Auswahlmöglichkeiten zur Betreuung ihrer Kinder zur Verfügung. Das gesamte Außengelände wurde 2005 wiederum neu angelegt und ist nun parkähnlich gestaltet. Eine große Spielkombination mit Röhrenrutschbahn, eine Gruppenfederwippe und eine Vogelnestschaukel bieten den Kindern zusätzlich vielfältige Bewegungsmöglichkeiten. Ein wunderschönes Gartenhäuschen in dem die Sandspielsachen aufbewahrt werden ergänzt das Angebot.

Es bleibt zu hoffen, dass auch weiterhin eine optimale räumliche und pädagogische Betreuung der Kinder erhalten bleibt, die nicht an Finanzierungsmaßnahmen scheitert!